Integrationskompass

Interkulturelle Öffnung

Interkulturelle Öffnung von zivilgesellschaftlichen Organisationen

Eine durch Vielfalt geprägte Gesellschaft entwickelt ihr Selbstverständnis weiter. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit wird zunehmend unabhängig von ethnischer Herkunft. Es wächst im Kontakt mit Nachbarn, Kolleginnen und Kollegen und mit Freunden. Es verwirklicht sich aber auch im Kontakt mit der öffentlichen Verwaltung, dem Sportverein oder dem Wohlfahrtsverband. All dies sind Orte, an denen Zusammenleben gelingen und Zugangswege geöffnet werden können. Damit diese Zugangswege genutzt werden, entwickeln in verstärktem Maße immer mehr Vereine und Verbände Strategien und Konzepte, um sich interkulturell zu öffnen. Sie stelle sich auf eine gemeinsam gelebte Vielfalt ein und richten sich dadurch aktiv auch auf die Zielgruppe von Menschen mit Migrationshintergrund aus.

So ist es das Anliegen der Hessischen Landesjugendfeuerwehr, mit ihrer Kampagne „Unsere Welt ist bunt“ die Individualität der verschiedenen Jugendlichen in der Hessischen Jugendfeuerwehr zu fördern und auf die gesellschaftliche Realität hinzuweisen.

Der Hessische Jugendring setzt Impulse für eine interkulturelle Jugendarbeit und bildet Integrationslotsen für die aktive Verbandsarbeit aus.

Exemplarisch zu nennen ist auch das Bemühen des Paritätischen Bildungswerks Frankfurt um eine interkulturelle Öffnung der Behindertenhilfe in Hessen im Rahmen des Projekts „MigrantInnen – barrierefrei zur Integration“.

Auch die kirchlichen Träger führen unterschiedliche Prozesse der interkulturellen Öffnung ihrer Verbände durch und öffnen sich z.B. in ihren Kindertagesstätten durch die Anpassung des pädagogischen Konzeptes und die Einstellung von Erzieherinnen und Erziehern anderer Glaubensrichtungen.

Auf Seiten der Vereine besteht eine Vielzahl von Initiativen und Strategien für interkulturelle Öffnung. Auch sie erkennen die Potentiale der Vielfalt und leben Willkommenskultur im Alltag. Sie bekommen neue Mitglieder, begeistern Aktive für ihre Vereinsziele und gewinnen neue Perspektiven.
Positive Erfahrungen wurden in dem Projekt „Qualifizierung von Vereinen – Vereine erfolgreich unterwegs in die Zukunft“ der Modellregion Hanau und dem Projekt „Neue Partnerschaften – Vereine und interkulturelle Öffnung“ der Modellregion Main-Kinzig-Kreis gesammelt.

Ansprechpartner für Vereinsprojekte sind die Landesehrenamtsagentur und die örtlichen Freiwilligen- und Ehrenamtsagenturen.

Um diese Bemühungen auf Seiten der Vereine und Verbände zu stärken, wurde im Landesprogramm WIR explizit die Förderung interkultureller Öffnungsprozesse von Vereinen und Verbänden mit aufgenommen.

Auch der Sport begreift die interkulturelle Öffnung als Eingehen auf das gesellschaftliche Umfeld.  Damit verbunden ist die Möglichkeit, zum einen neue Mitglieder zu erschließen und zum anderen zusätzliche Aktive für die innerverbandliche Arbeit zu gewinnen.

Beispielgebend dafür ist das Projekt „start – Sport überspringt kulturelle Hürden“, ein Integrationsprojekt des Landessportbundes Hessen. Der Sportkreis Rheingau-Taunus und der Turngau Mitteltaunus haben von 2010 bis 2013 Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund zu Übungsleiterinnen und Übungsleiterassistentinnen ausgebildet. Durch ihre Tätigkeit gelingt es ihnen, weitere Menschen mit Migrationshintergrund für den Sport zu interessieren. Gleichzeitig erfahren sie persönlich durch die Qualifizierung eine besondere Bedeutung. Die Vereine schließlich erweitern ihre Übungsleitungen und entsprechen mit mehr Funktionsträgern besser den unterschiedlichen Erwartungen ihrer Mitglieder.
Nach eigenem Bekunden ist dieses Projekt auch eine Reaktion auf die unübersehbare demographische Entwicklung und dient dazu, einen Integrationsprozess im und durch Sport anzustoßen.

Vorbildcharakter hat auch die SG Bornheim 1945 e.V. Grün-Weiß. Sie bietet sportfachliches Training an, daneben eine Ferienbetreuung in Form von Fußball- und Freizeitcamps. Das auf dem Vereinsgelände errichtete Kinder- und Familienzentrum (KiFaZ) gibt den Raum für pädagogische und integrative Arbeit, etwa mit einem Pädagogischen Mittagstisch und Hausaufgabenhilfe für Kinder oder mit dem Elternnetzwerk „Familien-Sport-Café“.
40 Prozent der Mitglieder haben einen Migrationshintergrund. Sie werden systematisch in die Vereinsarbeit einbezogen – als Trainerin und Trainer, als Leiterin des Familien-Sport-Cafés, als Verantwortliche für den Pädagogischen Mittagstisch. Jugendliche werden an ehrenamtliches Engagement herangeführt; sie werden gezielt als Trainer und Betreuer jüngerer Jahrgänge geworben. Darüber hinaus fördert die SG Bornheim Grün-Weiß das respektvolle Miteinander und die sozialen Kompetenzen. Neue Zugänge zur Vereinsarbeit motivieren auch Eltern und Kinder aus einkommensschwachen und bildungsfernen Verhältnissen, insbesondere Alleinerziehende mit Migrationshintergrund, aktiv den Verein mitzugestalten. Dies geschieht über die Anbindung an nachbarschaftliche Lebensformen sowie über Bildung und Betreuung. Die niedrigschwelligen Angebote des KiFaZ erreichen auch Risikofamilien. Die Vernetzung mit anderen Institutionen wie Kindertagesstätte, Grundschule, Kinder- und Jugendzentrum ist ein weiterer Baustein der Vereinsarbeit.

 

Frau Banu Rübeling
Hessisches Ministerium für Soziales und Integration

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